Interview mit Yvonne Kern
atem austria: Liebe Yvonne, was ist dein „Leitseil des Atems“?
Yvonne: Ich bin Radiologietechnologin und seit einigen Jahren Ordinationsassistentin bei einem Facharzt für Lungenkrankheiten in Amstetten. Ich war auf der Suche nach neuen beruflichen Herausforderungen bzw. einer Weiterentwicklung und mein Chef riet mir zu einer Physiotherapieausbildung. Als Mutter einer Tochter war das aus zeitlichen Gründen aber viel zu aufwendig. Ich recherchierte im Internet und stieß bald auf die berufsbegleitende Ausbildung zur akademischen Atempädagogin, die Norbert Faller und Margarete Edelsbrunner-Pretterhofer 2019-2021 organisierten. Ein Vorbereitungskurs bei Norbert tat mir so gut, dass ich nun überzeugt war, dass diese Atemarbeit meine Zukunft sein würde.
atem austria: Die Atempädagogik ist im Gegensatz zu Deutschland in Österreich kein anerkannter Beruf – welche Perspektiven hast du damit?
Yvonne: Bis der Lehrgang dann 2019 begann war es noch ein längerer Prozess, aber für mich stand von Beginn an fest, dass ich mir damit ein weiteres berufliches Standbein schaffen wollte – ich meinte es mit dem Atem von Anfang an ernst! Ich habe meinen, auch inhaltlich passenden „Brotberuf“ und bin finanziell daher nicht von der Atempädagogik abhängig. Ich entwickle meine Atemarbeit kontinuierlich weiter. Ich biete meinen Klient:innen sowohl Gruppenkurse als auch die Einzelarbeit, unter anderem auf der Liege an.
atem austria: Du befindest dich persönlich eigentlich im Spannungsfeld von Schulmedizin und ganzheitlicher Körperarbeit. Welche Position kann deiner Meinung nach die Atempädagogik einnehmen?
Yvonne: Im Rahmen meiner Arbeit beim Lungenfacharzt weiß ich natürlich, dass bei manchen Patient:innen beispielsweise der Asthmaspray hilft. Aber ich sehe auch, dass es wichtig wäre, das allgemeine Wohlbefinden der Betroffenen zu stärken. Da kann die Atempädagogik ergänzend und begleitend eingesetzt werden. Wir stärken das Gesunde und arbeiten an den Ressourcen, die dem Menschen zur Verfügung stehen. Die kranken Anteile werden wahrgenommen, durch den ganzheitlichen Ansatz werden die gesunden Anteile gestärkt, gefördert und weiterentwickelt.
atem austria: Du bist nach der Ausbildung schnell in den Vorstand von atem austria gewählt worden und bist für die Organisation der Fortbildungen zuständig und bist auch in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv. Was sind die Beweggründe für dein Engagement?
Yvonne: Es ist für uns Atempädagog:innen als kleine Gruppe sehr wichtig uns zu zeigen. Wir müssen einen Weg finden, die besondere Arbeit der Atempädagogik verständlich zu machen und mehr zu verbreiten. Ich finde es sinnvoll, bei einschlägigen Messen, Atem-Festivals (das nächste findet vom 4.-6. Dezember 2026 in Reichenau an der Rax statt) und Gesundheitstagen präsent zu sein. Bei solchen Events lade ich beispielsweise die Besucher:innen in interaktiven Workshops zur ersten wohltuenden Selbsterfahrung ein. Das Feedback ist sehr positiv.
Allerdings bin ich sehr besorgt darüber, dass es zur Zeit in Österreich keine atempädagogische Ausbildung gibt und damit die Zukunft der auf Ilse Middendorf basierenden Atemarbeit mehr als ungewiss ist. In Zeiten wie diesen ist die Vernetzung mit anderen Berufsverbänden enorm wichtig und ich bin gerne daran beteiligt.
atem austria: Was ist deine größte Freude bei der Atemarbeit
Yvonne: In unserer hektischen Welt, die sehr auf das Außen ausgerichtet ist, ist es eine große Wohltat ins Spüren zu kommen. Die Atemübungen helfen mir dabei in meine Mitte zu kommen und Freude und Dankbarkeit zu empfinden. Ich habe gelernt und genieße es, mich dabei besser wahr zunehmen. Ich bin durch die Atemarbeit auch persönlich bei meinen Themen angekommen. Ich empfinde – auch als Gebende – den Körperkontakt, das Berührt sein und das gesamte „Atemgespräch“ immer wieder als sehr entspannend und wohltuend.
atem austria: Welche ist deine Lieblingsübung bei der Gruppenarbeit?
Yvonne: Ganz eindeutig die Kosmische Übung mit ihren drei, alles umfassenden Teilen im unteren, im oberen und im mittleren Atemraum. Sie verbindet auch besonders umfassend die körperliche, seelische und geistige Ebene. Ich und meine Teilnehmer:innen lieben sie gleichermaßen.
atem austria: Liebe Yvonne, wir danken dir für dein Engagement für den österreichischen Berufsverband und das Gespräch!
Kontakt und weitere Informationen: Yvonne Kern Atempädagogik
www.atempaedagogik.com
Im nachstehenden Link finden Sie die von Yvonne Kern für Sie vorbereiteten Übungen
26. März 2026
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