Kosmische Übung
Stehen Sie hüftbreit, mit leicht gebeugten Knien. Sammeln Sie sich mit offenen Augen.
Legen Sie die Fingerkuppen beider Hände – außer den der Daumen – unterhalb des Brustbeins, der sogenannten Mitte, entlang der Mittellinie aneinander.
Beugen Sie nun Kopf und Rumpf langsam nach unten, die Finger folgen der Bewegung an der Mittellinie nach unten, lassen Sie Hals und Kopf locker hängen. Dann öffnen Sie die Arme und ziehen jeweils am Boden entlang einen Kreis von den Fersen bis zu den Zehen – wie zwei weite Flügelschläge. Danach bringen Sie die eingesammelte Fülle des unteren Atemraumes langsam, indem Sie sich aufrichten, zur Mitte.
Bewegen Sie nun die Fingerkuppen entlang der Mittellinie nach oben über das Gesicht hinauf und breiten die Arme zur Seite in eine V-Stellung. Öffnen Sie sich zum Himmel und folgen sie mit dem Blick hinauf. Bringen Sie der Mittellinie entlang Ihre Fingerkuppen wieder zur Mitte zurück.
Nun bewegen Sie von der Ausgangsstellung aus die Arme in Brusthöhe nach vorne in den Raum und breiten Sie diese mit großer Geste zur Seite aus, öffnen Sie sich nach außen zur Umwelt. Kehren Sie umgekehrt wieder zur Mitte zurück.
Wiederholen Sie die Abfolge einige Male.
Spüren Sie anschließend den Wirkungen der Übung nach.
Ilse Middendorf schreibt in ihrem die Atempädagogik begründenden Werk „Der Erfahrbare Atem“ über die Kosmische Übung:
„So führt uns der Atem, wenn wir uns ihm anvertrauen, zum leiblich erfahrbaren Grund neuen Gleichgewichts, das eine tragende Kraft für das zukünftige menschliche Dasein werden kann. (…) Unterschieden, aber nicht getrennt, in der vollen Auswirkung ihrer Eigenart erfahren und erlebt, erscheint es möglich, daß sich in Leib-Seele-Geist des Einzelnen (wie auch in allen Menschen) Einseitigkeit und Verzerrung wandeln in ein neues Lebensgefühl von Gleichgewicht und Partnerschaft“ (Middendorf, S. 51f).
Für Ilse Middendorf vereint diese besondere Übung alle Inhalte des Erfahrbaren Atems, alle Möglichkeiten des Atmens und der Bewegung sind hier ausgedrückt und vereint (Middendorf, S.187).
Diese sind die Erfahrung des unteren Atemraums mit seinem vitalen aufsteigenden Ausatem, des oberen Atemraumes mit seinem sanften absteigenden Ausatem
und des mittleren Atemraums mit dem horizontalen Ausatem.
Spüren Sie, wie Ihre Gelenke nun gelöst sind und sich Weite in Becken und im Rumpf bis zu den Schultern ausgebreitet hat?
Vielleicht können Sie Lebenskraft und Bestimmtheit wahrnehmen, sind Ihre Sinne geschärft? Fühlen Sie sich offen und wach und dennoch gelassen?
Wie empfinden Sie sich innerlich im äußeren Raum, vielleicht zentriert und ruhig?
Übung in Anlehnung an: Faller, N. (2009): Atem und Bewegung. Wien, New York Springer, S. 186 und Middendorf, I. (2007): Der Erfahrbare Atem. Eine Atemlehre. Paderborn, Junfermann Verlag, S. 187
30. März 2026
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