Zum Hauptmenü Zum Inhalt

Interview mit Melanie Herbe

atem austria: Liebe Melanie, du bist seit über einem Jahrzehnt Teil unseres Berufsverbands und hast ihn mit deinem langen Engagement im Vorstand mit geprägt. Du arbeitest mit dem zugelassenen Atem und auch mit der Stimme. Kannst du uns erzählen, was du genau anbietest?

Melanie: Es ist tatsächlich eine breite Palette, aber der Atem ist immer der Schlüssel. Meine Angebote richten sich an alle, die ihre Präsenz und Lebendigkeit stärken wollen – von Führungskräften über Lehrende bis hin zu Menschen, die einfach ihre Stimme und Atemqualität im Alltag verbessern möchten.
Ich biete Einzel- und Gruppenarbeit in Atempädagogik an, entweder ganz mit dem Fokus auf dem Atem oder auch mit Einsatz der Stimme. Ein anderer Schwerpunkt ist die Entwicklung einer authentischen, tragenden Sprechstimme, mit der ich selbst-bewusst, vom Atem getragen, nach außen gehen kann. Und dann biete ich auch Präsentations- und Vortragscoachings an.

atem austria: Dein Grundberuf ist Schauspielerin. Wie bist du vom Theater zum Atem gekommen?

Melanie: Ich habe schon sehr jung, mit 18, mein Schauspielstudium begonnen. Es war eine intensive Zeit, auf allen Ebenen. Als Schauspielstudentin sollte ich lernen, mich selbst gut zu kennen, durchlässig zu werden und dadurch verschiedene Zustände und Temperaturen abrufen zu können – körperlich, energetisch und emotional. Das ist eine wunderschöne Aufgabe, aber auch sehr herausfordernd.
Der Unterricht in Stimmbildung und Sprecherziehung war dabei mein Anker. Ich habe gelernt, mich in meinem Körper gut wahrzunehmen, den Atem fließen zu lassen und darauf aufbauend eine wohlklingende, authentische Sprechstimme zu entwickeln. Der Atem war und ist für mich das Bindeglied von innen nach außen, vom inneren Wesen hin zum Ausdruck.
Schon während des Studiums hat sich der Wunsch entwickelt, diese tollen Erfahrungen weiter zu geben, auch an Menschen, die kein Schauspiel studieren, und ich habe schon während der ersten Berufsjahre am Theater angefangen, nebenbei zu unterrichten – an der Uni und im Einzelsetting. Schon bald wurde mir klar, dass ich mich in diese Richtung weiterbilden wollte, um noch besser auf die Menschen eingehen zu können, und so bin ich zur Atempädagogik gekommen.

atem austria: Du hast dann auch noch andere Ausbildungen gemacht, u.a. Atem Tonus Ton (ATT). Was unterscheidet diese Methode von der Middendorf-Atempädagogik?

Melanie: ATT baut auf der Atempädagogik auf und verbindet den zugelassenen Atem mit einem dynamischen Tonusaufbau. Dadurch wird der Ausatem verlängert, die Stimme wird klangvoller und kräftiger. Das Schöne daran ist der freie, spielerische Ansatz und die Durchlässigkeit im Körper und Zwerchfell.
Das ist anders als in vielen klassischen Stimm- und Sprechschulen, wo der Atem oft forciert wird und noch mit der klassischen „Stütze“ gearbeitet wird, die den Körper fest und undurchlässig machen kann.

atem austria: Was ist dir in deiner Arbeit besonders wichtig?

Melanie: Mir ist wichtig, Menschen einen Raum zu geben, in dem sie sich selbst spüren und in die eigene Lebendigkeit finden können. Dabei geht es nicht um die Vermittlung von Technik, sondern um das achtsame und spielerische Entdecken des eigenen Potentials.
Manchmal müssen wir dafür erst in die Ruhe und Stille gehen, um die Körperwahrnehmung zu verfeinern, den Atem zu entdecken, zu integrieren und aufzutanken. Dafür gebe ich in meinen Einzelstunden und in den Atemgruppen Raum – sei es mit sanften Übungen oder mit einer Atembehandlung auf der Liege.
Und manchmal brauchen wir einfach den richtigen Impuls, um in die Lebendigkeit und Präsenz zu kommen. Uns zu zeigen, mit einer klangvollen Stimme gehört zu werden – dazu gehört auch Mut. Ich unterstütze Menschen gerne dabei, diesen Schritt zu machen.

atem austria: Bietest du aktuell Atemkurse an?

Melanie: Ich biete vor allem firmeninterne Kurse und Workshops an sowie Einzelstunden in meinem Raum. Einen offenen Halbtages-Workshop gibt es allerdings noch in diesem Jahr, am 22. Dezember: „Gönn Dir eine Atempause vor Weihnachten“.
In diesem Workshop lade ich dazu ein, den Stress der letzten Wochen hinter sich zu lassen und sich nochmal bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen. Durch lösende Bewegungen, achtsames Atmen und sanftes Tönen können wir entspannen, den Blick nach innen richten und uns auf die Weihnachtstage einstimmen. Ich freue mich sehr, dass es noch freie Plätze gibt!

atem austria: Du hast zwei Übungen ausgewählt und dazu Videos gedreht, die dazu einladen gleich mitzumachen. Kannst du uns kurz etwas dazu sagen?

Melanie: Die erste Übung ist eine klassische Übung aus der Atempädagogik, durch die wir gut im Körper ankommen und unsere Körpergrenzen spüren. In der Variante kommt ein sanftes Summen dazu, mit der wir unsere Stimme aufwärmen. In der zweiten Übung lade ich dazu ein, von diesem sanften Summen ausgehend mehr und mehr in eine klangvolle Sprechstimme zu kommen, mit der wir auch hörbar ins Außen gehen können.

atem austria: Liebe Melanie, herzlichen Dank für deine Zeit und auch für die Anregung und Umsetzung die Übungen per Video zu zeigen.
Hier die Links:

„Schmiegen und Summen“ : https://www.youtube.com/watch?v=zCnbCa7ubBg

„Mmm…Schokoladenkuchen“: https://www.youtube.com/watch?v=hZmjpmcJOGk

1. April 2025


Zurück